Bernd Liepold-Mosser ist seit 2021 Intendant des Klagenfurt Festivals.
Bernd Liepold-Mosser ist seit 2021 Intendant des Klagenfurt Festivals.

© Foto Horst

Interview:

„Ich möch­te kul­tu­rel­le Bewe­gung in die Regi­on brin­gen“

Intendant Bernd Liepold-Mosser leitet seit 2021 sehr erfolgreich das Klagenfurt Festival und bringt dabei jedes Jahr internationale Acts und mitunter kleine Sensationen nach Kärnten. Doch auch als Leiter des Rosental/Rož Festivals oder als Theaterregisseur ist Liepold-Mosser nach wie vor umtriebig. An Kärnten schätzt er besonders die hohe Alltagsqualität, blickt aber kritisch auf das politische Weltgeschehen.

Zusammenfassung:

**Über das Klagenfurt Festival und Bernd Liepold-Mosser**- **Bernd Liepold-Mosser** leitet seit 2021 das **Klagenfurt Festival** in der Stadt Klagenfurt, Österreich. - Bei der Auswahl des Programms achtet er darauf, neue und aufregende Projekte zu präsentieren. Das Programm ist modern und umfasst Musik, Lesungen und Gespräche. - Ein besonderer Veranstaltungsort beim Festival ist der Burghof, der Platz für 700 Zuschauer bietet. - **Highlights des Festivals** in diesem Jahr sind Auftritte von Künstlern wie **Kruder & Dorfmeister, Rebekka Bakken, Naked Lunch** und anderen. Viele Veranstaltungen sind bereits ausverkauft. - Bernd freut sich besonders über neue Formate und Acts, zum Beispiel die Band **Mia** und die Sängerin **Asmik Grigorian**.- **Rosental/Rož Festival**: Ein weiteres Festival im Herbst, das im Jahr 2025 begann. Es bietet kulturelle Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Rosental und ist ebenfalls von Bernd laufen betreut.- **Arbeitsweise**: Bernd kommt ursprünglich aus dem Theater und der Literatur. Neben der Leitung von Festivals arbeitet er weiterhin an Theaterprojekten.- **Persönliches**: In seiner Freizeit genießt Bernd Spaziergänge und Zeit in seinem Haus und Garten in Klagenfurt. Er besucht auch gerne Wien, wo seine erwachsenen Töchter leben, und reist gerne mit seiner Frau.

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MEINE FREIZEIT: Lie­ber Bernd, seit 2021 lei­test du das Kla­gen­furt Fes­ti­val in der Lan­des­haupt­stadt, das aus der Kärnt­ner Kul­tur­land­schaft nicht mehr weg­zu­den­ken ist. Wor­um geht es dir als Inten­dant bei der Pro­gramm­aus­wahl?

Bernd Lie­pold-Mos­ser: Ich möch­te span­nen­de Pro­jek­te und fri­schen Wind in die Kul­tur­land­schaft brin­gen. Der Grund­zug ist auf jeden Fall zeit­ge­nös­sisch, offen, pop­kul­tu­rell. Vie­le der ein­ge­la­de­nen Acts sind so in Kärn­ten noch nicht auf­ge­tre­ten. Gleich­zei­tig geht es mir auch dar­um, das Spek­trum gut abzu­bil­den, das ja von Kon­zer­ten über Lesun­gen bis zu Talk-For­ma­ten reicht. Gleich­zei­tig müs­sen wir uns natür­lich nach Ter­min­ka­len­der und Ver­füg­bar­kei­ten rich­ten. Im Burg­hof haben wir bei Steh­kon­zer­ten eine Kapa­zi­tät von 700 Plät­zen, das soll­te dann auch gefüllt wer­den.

MFZ: Wor­auf darf sich das Publi­kum heu­er freu­en?

BLM: Meh­re­re beson­ders span­nen­de Acts wie Kru­der & Dorf­meis­ter, Rebek­ka Bak­ken oder das Duo Armin Wolf und Peter Filz­mai­er sind bereits aus­ver­kauft, eben­so das Kon­zert mit Naked Lunch, was mich beson­ders freut, da mich mit die­ser Band eine sehr lan­ge künst­le­ri­sche Zusam­men­ar­beit ver­bin­det.

MFZ: Gibt es heu­er neue For­ma­te oder Acts, bei denen du dich beson­ders freust, dass es geklappt hat?

BLM: Wir haben schon eini­ge Sachen im Pro­gramm, wo es eine klei­ne Sen­sa­ti­on ist, dass sie in Kla­gen­furt statt­fin­den: die Band Mia zum Bei­spiel, die Karl-Kraus-Lesung mit Musik von Nicho­las Ofc­za­rek, Georg Nigl mit dem schei­den­den Salz­bur­ger Fest­spiel-Inten­dan­ten Mar­kus Hin­ter­häu­ser am Kla­vier, oder der abso­lu­te Opern­star Asmik Gri­go­ri­an, die auf den größ­ten Opern­büh­nen der Welt gefragt ist und dort Titel­rol­len singt. Hier soll­te man sich aber beei­len, weil es gibt nur mehr weni­ge Rest­kar­ten.

MFZ: Seit 2025 gibt es mit dem Rosental/Rož Fes­ti­val im Herbst eine ähn­li­che Ver­an­stal­tung an ver­schie­de­nen Schau­plät­zen im Rosen­tal. Was ist da die Idee dahin­ter?

BLM: Die Idee war, an ver­schie­de­nen inter­es­san­ten Spiel­or­ten das Rosental/Rož zur Büh­ne für Kul­tur zu machen und damit etwas kul­tu­rel­le Bele­bung und Bewe­gung in die Regi­on zu brin­gen. Wir haben 2025 sehr erfolg­reich gestar­tet, 2026 wer­den wir zwei Wochen Anfang Novem­ber bespie­len, um ein wenig kul­tu­rel­les Licht in die herbst­li­che Düs­ter­nis zu brin­gen. 

MFZ: Ursprüng­lich kommst du ja aus dem Thea­ter und der Lite­ra­tur. Hat sich dei­ne Arbeit in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert, oder führst du nach wie vor Regie?

BLM: Die Lei­tung der Fes­ti­vals nimmt natür­lich doch einen beträcht­li­chen Anteil mei­ner Zeit in Anspruch, aber ich arbei­te nach wie vor am Thea­ter. Zuletzt habe ich in Wien mein Pro­jekt „Eska­la­ti­ons­ma­schi­nen. Eine Sprach­oper“ insze­niert, davor in Linz Hor­vat­hs Stück „Kasi­mir und Karo­li­ne“. Auch für 2027 berei­te ich gera­de wie­der Pro­jek­te vor, dar­un­ter das im bien­na­len Rhyth­mus statt­fin­den­de Musik­thea­ter am Vil­la­cher Rat­haus­platz und die Sai­son-Eröff­nung am Lin­zer Phö­nix-Thea­ter.

MFZ: Du legst in dei­ner Arbeit mit­un­ter einen kri­ti­schen Blick auf Kärn­ten. Ist das heu­te noch ange­bracht?

BLM: Ich den­ke, dass sich die spe­zi­fi­sche Kärnt­ner The­ma­tik in den letz­ten zehn Jah­ren zu einem gro­ßen Teil in einem wert­schät­zen­den Mit­ein­an­der gelöst hat. Gleich­zei­tig sehen wir euro­pa- und welt­weit ein Erstar­ken von reak­tio­nä­ren, auto­ri­tä­ren und teil­wei­se faschis­ti­schen Poli­tik­mo­del­len, wovon auch unser schö­nes Bun­des­land nicht ver­schont bleibt.

MFZ: Wenn du gera­de nicht ein Fes­ti­val lei­test oder Regie führst, womit füllst du dei­ne Frei­zeit ganz per­sön­lich am liebs­ten?

BLM: Je älter ich wer­de, umso wich­ti­ger fin­de ich die soge­nann­te All­tags­qua­li­tät, die ich in unse­rem Haus und Gar­ten in Kla­gen­furt und bei regel­mä­ßi­gen Spa­zier­gän­gen erle­be. Gleich­zei­tig bin ich auch wahn­sin­nig ger­ne und regel­mä­ßig in Wien, wo ich stu­diert habe und wo unse­re drei inzwi­schen erwach­se­nen Töch­ter leben. Und ich bin auch sehr ger­ne mit mei­ner Frau auf Rei­sen.

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